Sascha Wüstefeld

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»Guckt mal! Dort seid ihr auf die Welt gekommen!«Das St. Joseph-Stift ist seit frühester Kindheit fest in meinem Bewusstsein verankert. Ich bin in Dresden-Leuben aufgewachsen und wir fuhren oft mit der Straßenbahn in die Stadt. Kurz vorm Fučikplatz deuteten meine Eltern mitunter verschwörerisch schmunzelnd aus dem Fenster und sagten: »Guckt mal! Dort seid ihr auf die Welt gekommen!« Meine Schwester und ich staunten jedesmal aufs Neue darüber.Zu erfahren, wie die hier Geborenen in den nicht immer einfachen letzten 120 Jahren lebten, was aus ihnen wurde und welche Geschichten sie mit dem St. Joseph-Stift verbinden, ist sicher hochinteressant. Ich freue mich, meinen Teil zu dieser Jubiläumschronik beitragen zu können.Geboren wurde ich am Geburtstag meines Großvaters, am 8. August 1975, hier im St. Joseph-Stift. Meine Mutter – sie war damals erst 24 Jahre alt – war wegen einer Schwangerschaftsgestose schon einen Tag zuvor ins St. Anna-Krankenhaus gebracht worden. Die Schwestern sangen »Nehmt Abschied Brüder, ungewiss ist alle Wiederkehr …« zur Abendandacht, was meiner Mutter nachhaltig im Gedächtnis blieb. Einen Tag später brachte man sie ins St. Joseph-Stift, wo ich dann – 14 Tage zu früh – nachts um 3:20 Uhr auf die Welt kam. 3600 Gramm, 51 Zentimeter lang, 37 Zentimeter Kopfumfang. Da es damals noch nicht üblich bzw. gar nicht erst gestattet war, dass die Väter der Geburt beiwohnten, erfuhr mein Vater die frohe Kunde am Morgen telefonisch. Zu Hause tagte gerade die Familie, um den 61.Geburtstag meines Großvaters zu feiern. Als mein Vater in die Küche stürmte, und verkündete, ab sofort einen Sohn zu haben, stieß man mit Kaffee an und freute sich. Trotz der Aussicht, von nun an am 8. August die doppelte Menge Geburtstagsgeschenke besorgen zu müssen.Meine Mutter blieb mit mir im St. Joseph-Stift. Der 8. August war der heißeste Tag des Jahres 1975, doch ohne Decke durfte man trotzdem nicht im Bett liegen. Die Beine mussten rein! Diesbezüglich waren die sonst sehr lieben Schwestern sehr streng. Die uns betreuende Schwester hieß übrigens Antonia, war furchtbar nett und ist immer noch im St. Joseph-Stift tätig.

Als Kind hatte der Name »St. Joseph-Stift« einen rätselhaften Klang für mich. Vor allem mit dem Begriff »Stift« konnte ich nicht viel anfangen. Heute ist das anders. Ich bin Comiczeichner und Illustrator und habe Stifte in Hülle und Fülle. Ich arbeitete ein paar Jahre als Zeichner beim MOSAIK mit den Abrafaxen, dachte mir zusammen mit Gerd Hahn die SORGENFRESSER aus, bin der Zeichner vom »kleinen ICE« für die Deutsche Bahn und schreibe und zeichne gemeinsam mit Ulf S. Graupner die Comicserie »Das UPgrade«. In »Das UPgrade« geht es um den 1966 geborenen Dresdner Jungpionier Ronny Knäusel, der sich wundersamer Weise teleportieren kann. Im ersten Band kommt Ronny natürlich im St. Joseph-Stift auf die Welt.

Für die nächsten 120 Jahre wünsche ich dem St. Joseph-Stift noch viele Eltern, die kurz vorm Straßburger Platz mit ihren Kindern aus den Fenstern der Straßenbahnen sehen und ihnen schmunzelnd anvertrauen: “Guckt mal! Dort seid ihr auf die Welt gekommen!”


Gedanken und Ideen zum Jubiläum im St. Joseph-Stift.

Gedanken und Ideen zum Jubiläum im St. Joseph-Stift.

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Sind Sie auch geboren im
St. Joseph-Stift?

Sind Sie auch geboren im<br/> St. Joseph-Stift?

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