Karin Blüher

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Meine Tochter ist im November 1980 bei Ihnen im St. Joseph-Stift geboren. Ich bin überhaupt nicht kirchlich, aber in dieser Zeit war es in meinem Betrieb „in“, dass die Kinder der Kolleginnen dort zur Welt kamen. Also meldete ich mich auch da an, sobald ich wusste, dass ich schwanger war. Außerdem kannte ich von ehemaligen Schulfreundinnen Schauergeschichten, da oft in den städtischen Krankenhäusern keine Betten frei waren und die Frauen bis nach Freital und Dippoldiswalde geschafft wurden. So hatte ich mein Bett sicher, wenn es mal soweit sein würde. Außerdem gab es zu dieser Zeit nur bei Ihnen schon Ultraschall-Untersuchungen. Allerdings durfte ich nicht auf den Bildschirm schauen und es gab auch kein Foto, da man das Geschlecht nicht erfahren sollte.

Als ich zur Entbindung dann zu Ihnen kam, wurde auch gerade gebaut. Es gab für die Wöchnerinnen nur eine Toilette auf dem Gang, das war manchmal kaum auszuhalten, vor allem, wenn man mal ein Zäpfchen bekommen hatte… Ich lag in einem 5-Bett-Zimmer, glaube ich, ohne eigenes Bad, nur mit 2 oder 3 Waschbecken neben der Tür und auch nicht abgetrennt. Die Schwestern trugen alle Tracht, jeden Abend kam die Andacht durch den Zimmerlautsprecher und einmal in der Woche kam der Pfarrer an jedes Bett, beglückwünschte die Frau zum Nachwuchs, fragte nach dem Geschlecht und dem Namen des Kindes. Man fühlte sich irgendwie geborgen. Leider hatte man sein Kind nur zu den Stillzeiten bei sich. Die Babys lagen auf einem ganz langen Wagen und wir mussten uns vorher die Hände desinfizieren und es durfte nichts weiter unter der Bettdecke vorluken, nicht einmal der große Zeh… Der Kreißsaal war für drei Frauen ausgelegt. Als ich dorthin kam, war schon eine Frau da, die dann auch ihr Kind vor mir zur Welt brachte, es war eine Zangengeburt bei ihr. Dann hörte ich, wie sie den Namen ihres Kindes nannte. Den hatte ich auch in Erwägung gezogen, aber da wusste ich, dass mein Kind, wenn es auch ein Mädchen wird, anders heißen soll. Und so kam es dann auch. Wir beiden Frauen mussten ja nach der Geburt noch zwei Stunden im Kreißsaal liegen bleiben und bekamen ein in Tüchern gewickeltes Bügeleisen auf den Bauch gestellt. Wir unterhielten uns die ganze Zeit und als der Vorhang zwischen uns weggezogen wurde, beglückwünschten wir uns gegenseitig. Abends durften wir immer auf der Station bei den Neugeborenen nachfragen, was das Kind so getrunken hat.

Auf dem Foto hält eine dieser Schwestern meine Tochter auf dem Arm, da ist sie drei Tage alt, aber ich weiß leider nicht mehr, wie sie hieß. Jetzt war ich selbst zur OP im St. Joseph-Stift und habe kaum etwas von früher wiedererkannt. Aber gebaut wurde auch wieder…

Karin Blüher, Beamtin


Gedanken und Ideen zum Jubiläum im St. Joseph-Stift.

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