Jens Daniel Schubert

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Nein, ich bin nicht im Stift geboren. Und auch keiner meiner Brüder. Und natürlich habe ich im Stift auch keine Kinder bekommen, ich bin ein Mann. Aber meine Frau hat unsere vier Kinder im Stift geboren. Die beiden Mädchen vor 1989, die beiden Jungen danach. Bei den ersten war sie noch Studierende, seit 1990 ist sie selber „Stiftlerin“.
Dass ich als Vater davon berichte ist bei den jüngeren kein Wunder. „Vatergeburten“ sind heute selbstverständlich. Und Musik im Kreißsaal, der aussieht wie ein Wohnzimmer mit Badewanne, Geburts-Stuhl oder Hängematte… Schlaue Menschen haben so viel herausgefunden und entdeckt um das Drumherum einer Geburt besonders zu gestalten. Dabei ist das eigentliche Wunder ja doch…
Als unsere erste Tochter geboren wurde hatte ich Glück. „Der Chef“ nicht da war und ich kannte die Oberärztin, die mit meinen Eltern befreundet war. Die ließ mich dabei sein, meiner Frau die Hände halten, sie beim Pressen und Entspannen dazwischen „unterstützen“. Eine Hilfe war ich sicher nicht, aber es war ein tolles Ereignis. Unter Schwester Vitas Anleitung stillte meine Frau unsere voreilige Tochter innerhalb von 10 Tagen auf das vorgeschriebene Entlassungsgewicht. Aller drei Stunden wurde ihr das ansonsten im Kindezimmer versorgte Kind gebracht. Die Schwester achtete resolut darauf dass ich, selbst wenn ich mal außerhalb der Besuchszeiten da war, rechtzeitig bevor das Kind gebracht wurde die Station verlassen hatte. Dann musste sich meine Frau die Hände desinfizieren und die Haare mit einer Windel wegbinden…
Die Geburt der zweiten Tochter erlebte ich nicht direkt. Es gab zwei Kreißsäle, einen Einzelraum und einen mit sechs (!) Betten. Im Einzelsaal lag eine Gebärende mit zu erwartenden Komplikationen und auch im anderen Saal war noch ein weiteres Bett belegt. Da musste ich als Mann draußen warten bis mir die Hebamme durch die Schleuse unsere frisch abgenabelte Tochter zeigte.
Bei Nummer drei war die Geburt insofern besonders, als sie an meinem 33. Geburtstag, also kurz nach Mitternacht erfolgte. Dass sich der Knabe am Vortag aufs Gesicht gedreht hatte wusste der Frauenarzt und der Diensthabende ertastete es sehr schnell. Gesagt hat er vorher nichts. Wahrscheinlich war das gut so, uns ist manche unnötige Sorge erspart geblieben.
Vor der Geburt des Jüngsten hatten wir in der langen Schlange vorm neuerbauten St. Benno-Gymnasium gestanden. Die Älteste, deren Grundschulzeit mittlerweile aufs Ende ging, wollte einen der begehrten Plätze ergattern. In der Nacht danach ging es dann so schnell, dass wir einen Krankenwagen rufen mussten. Die ruppigen Feuerwehr-Sankra-Fahrer wurden so rot wie ihr Auto, als die kleine Schwangere im Stift respektvoll mit „Frau Doktor“ begrüßt wurde. Der Kleine machte kein langes Theater, kam kurz darauf als Sonntagskind zur Welt und noch bevor die Großen am Morgen erwachten war ich schon wieder zu Hause. Das Foto entstand am Nachmittag, als alle Mama besuchen und den kleinen Bruder zu bestaunen kamen.
Der ist inzwischen volljährig und macht demnächst sein Abi. Natürlich am Benno, für das die Große am Tag vor seiner Geburt die Geschwisterkindertür geöffnet hatte.
JDS, Journalist


Gedanken und Ideen zum Jubiläum im St. Joseph-Stift.

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