Christine Müller

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Am 18. Oktober 1951 wurde ich im St. Joseph-Stift geboren.

Aus den Erzählungen meiner Mutter (sie wird in Kürze 89 Jahre alt) und dem Tagebuch, welches sie und mein Vater (er ist leider schon 1981 verstorben) nach meiner Geburt führten, kann ich Folgendes berichten:

Der 18.10.1951 war ein Donnerstag, deshalb musste meine Schwester Renate (damals 8 Jahre alt) in die Schule gehen. Als bei meiner Mutter morgens die Wehen einsetzten und mein Vater ein Taxi rief um mit meiner Mutter von unserer Wohnung auf der Pohlandstraße zur Wintergartenstraße zu fahren, rannte Renate neben dem Taxi her und beschwerte sich, dass sie nicht auch Taxi fahren dürfe. 8:45 Uhr erblickte ich dann das Licht der Welt. Meine Mutter fühlte sich in den Händen der Hebamme – eine kräftige, resolute Frau – gut aufgehoben. Ein Arzt war nicht ständig verfügbar, er wohnte wohl in Radebeul und wurde nur bei Schwierigkeiten gerufen. Die Hebamme erklärte mit einem Augenzwinkern den Frauen: „Jammert hier nicht rum, ihr habt es nicht anders gewollt!“ Obwohl der Krieg noch nicht lange vorbei war und überall Mangel herrschte, war das Essen im St. Joseph-Stift sehr gut und reichlich. Mein Vater – besorgt um seine Frau – brachte bei einem seiner Besuche eine große Tüte mit Würstchen mit. Meine Mutter aß eines davon und gab ihm alle anderen wieder mit.

Auch die Betreuung durch die Schwestern war sehr gut, es waren ausschließlich katholische Schwestern und einige Hilfsschwestern. Die Schwestern nannten die kleinen Mädchen „Katzen“. Im Keller war ein Andachtsraum eingerichtet. Das Haus selbst hatte wegen der Zerstörung im Krieg damals ein provisorisches Flachdach, mein Vater hat, als er uns mit dem Fahrrad besuchte, ein Foto vom Haus gemacht. Meine Mutter erinnert sich, dass die Bäume Laub trugen und die Sonne schien, als sie aufgenommen wurde und dass bei ihrer (unserer) Entlassung die Bäume kahl waren. Offenbar war sie aber ca. 10 Tage im St. Joseph-Stift.

Aus einem Eintrag meines Vaters im Tagebuch:

„Sommer 1954: Schon lange weiß Tine, dass sie im St. Joseph-Stift geboren wurde. Auf einer Radfahrt, bei der sie auf meinem kleinen Sattel sitzt, kommen wir wieder dort vorbei.
Tine: „Vati, hier im Joseph-Stift bin ich auf die Welt gekommen.“
Vati: – weil Tine stets alles genau wissen will – : „ ja, u. vorher warst Du beim lieben Gott.“
Tine: „ach ja, da hab ich den Donner gemacht.“
Später haben wir sie gefragt, wie sie den Donner gemacht habe:
„Da hab ich einen Motor angestellt und da hat es so geknallt.““

Vielleicht haben mich die Geräusche des Motorrades meines Vaters (eine EMW) zu dieser Aussage angeregt…

Im St. Joseph-Stift bin ich auch später gut betreut worden, als ich 1988 dort operiert wurde. Ich erinnere  mich dankbar an Herrn Dr. Berchtig und auch an Schwester Canisia, die mir Mut machte.
Meine Mutter selbst musste sich 2003 einer schweren Operation unterziehen und wurde auch wieder im St. Joseph-Stift bestens betreut. Dass sie trotz ihres hohen Alters noch mobil und sehr aktiv ist, hat sie nicht zuletzt der ausgezeichneten Behandlung und Betreuung zu verdanken.

Ich bin meiner Heimatstadt Dresden treu geblieben, bin hier zur Schule gegangen, habe das Abitur gemacht und studiert. Auch meine Arbeitsstellen waren zum Glück bisher alle in Dresden. In 1 ½ Jahren kann ich in Rente gehen und freue mich schon darauf. Ich habe zwei Kinder und vier Enkel, für die ich dann endlich mehr Zeit habe.
Meine älteste Enkelin wurde 1992 ebenfalls im St. Joseph-Stift geboren – diese Geschichte wird sie aber selbst erzählen.

Christine Müller, Diplom-Betriebswirtin


Gedanken und Ideen zum Jubiläum im St. Joseph-Stift.

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